10 Gründe, warum User Apps löschen

Okt 14, 2019 | Apps I Digitales

Foto: MariusMB / Pixabay

Bei der Navigation durch den Straßenverkehr, beim Shopping im Lieblingsstore, bei der Bearbeitung der Urlaubsbilder oder der Kommunikation mit Freunden: Immer mehr digitale Helfer werden auf den Markt gebracht, um uns den Alltag in verschiedenen Situationen zu erleichtern und komfortabler zu gestalten. Entspricht die App den Anforderungen des Users, bleibt sie auf dem Smartphone – ansonsten wird sie sofort wieder gelöscht. Die Konkurrenz ist groß, denn für jeden Anwendungsbereich gibt es Alternativen. Wollen Sie mit Ihrer App langfristig erfolgreich sein, sollten Sie Fehler vermeiden. Wir sagen Ihnen, welche das sind.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was User von einer App erwarten
  • Warum die User Experience wichtig ist
  • Was ein Nutzererlebnis ist
  • Was die Abkürzungen UX und UI bedeuten
  • Wie eine App nicht sein sollte

 

Smartphone-Nutzer verbringen 80 Prozent ihrer Zeit in Apps

Die Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland wächst weiter. Bis 2022 soll es gemäß Statista-Prognosen etwa 65 Millionen deutsche Smartphone-Nutzer geben. Laut Zahlen des Analyse-Portals flurry.com verbringen Smartphone-Anwender 80 Prozent ihrer Zeit in Apps. Das sind im Tagesdurchschnitt zwei Stunden. Doch warum nutzen wir eigentlich so gerne Apps? Wir haben mal unsere Mitarbeiter gefragt. Hier sind die Top 5 der am häufigsten genannten Antworten:

  • Alltagshilfe (Mehrwert)
  • Austausch mit der Community
  • Einfache und schnelle Bedienbarkeit
  • (Individuelle) Information
  • Unterhaltung/Spaß

 

Nutzer wollen ein Erlebnis

Können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie zuletzt begeistert waren oder was Sie in letzter Zeit überzeugt hat? Vielleicht war es ein Restaurantbesuch, der letzte Urlaub oder ein Gespräch mit einer Person. Nennen wir es: Erlebnis. Sie haben eine gute Erfahrung gemacht, hatten einen Aha-Effekt oder ein Wow-Erlebnis. Sie haben sich besonders wohlgefühlt oder es hat Ihnen ausgezeichnet geschmeckt. Sie werden das Restaurant oder den Urlaubsort definitiv erneut besuchen und Ihre Erfahrung mit anderen teilen, oder? Mit der App-Nutzung verhält es sich ähnlich. Das Erlebnis wird hier als User Experience (UX) bezeichnet, das durch Emotionen geschaffen wird. Sie binden den Nutzer an die Anwendung. Vor, während und nach der Nutzung einer Mobile App soll der User etwas empfinden. Ein gutes Nutzererlebnis und Zufriedenheit sind also Erfolgsfaktoren für digitale Geschäftsmodelle.

Zufriedenheit kommt auf, wenn der User die App öffnet und das Design, die Bedienelemente und die Navigation benutzerfreundlich gestaltet sind. Hier spricht man vom User Interface (UI). Ist die Handhabung für den Nutzer angenehm, wird er weniger frustriert sein und sich intensiver mit den Inhalten auseinandersetzen. Je größer die Erwartung ist, desto mehr kann er allerdings enttäuscht werden. Deshalb ist es wichtig, die User zu kennen, die die App nutzen sollen und werden.

 

Die Lebensdauer von Apps

Haben Sie schon mal eine App wieder gelöscht? Vielleicht war der Speicherplatz voll oder die App hat einfach nicht Ihren Erwartungen entsprochen? Kein Wunder, denn nicht alle Apps auf dem Markt sind für uns brauchbar. Damit Ihre App eine hohe Überlebensdauer hat, sollten Sie ein paar wichtige Punkte beachten. Hauptgründe für eine Löschung sind:

  1. Die Leistungen entsprechen nicht den Erwartungen.
  2. Die App sieht im App-Store nicht ansprechend aus.
  3. Die Registrierung ist kompliziert & der Datenschutz undurchsichtig
  4. User wollen die App nicht erst lernen müssen, sondern direkt verstehen. Egal welchen Nutzen die neue App verspricht, der Nutzer sollte schnell und einfach in der Lage sein, davon Gebrauch zu machen.
  5. Die App will als Alleskönner fungieren, anstatt sich zu fokussieren.
  6. Die Zielgruppe ist nicht richtig definiert. Sie sollte mit ihren Wünschen und Bedürfnissen z. B. die Gestaltung des Inhalts und des Designs definieren.
  7. Weniger ist mehr! Überfrachten Sie die User nicht mit Informationen und vergessen Sie alles Unnötige. Jeder Klick ist einer zu viel.
  8. Kein Mehrwert vorhanden.
  9. Die App hat eine lange Ladezeit.
  10. Es gibt zu viel Werbung.

 

Foto: LSD

Zu diesem Thema hat unsere Redakteurin Eva Güthe (links im Bild) mit UI/UX-Designerin Sarah Roidl gesprochen.

Redaktion: Liebe Sarah, was macht für dich eine gute App aus?

Sarah Roidl: Als UI/UX-Designerin achte ich prinzipiell darauf, dass die Benutzerfreundlichkeit gut ist, das Design die Idee der App unterstützt, die Funktionen einen Mehrwert bieten und dass die App nicht unnötig den Akku des Smartphones aufbraucht.

Redaktion: Auf was muss bei der Entwicklung einer App geachtet werden?

S.R.: Der Entwickler oder Herausgeber einer App hat sehr vieles zu beachten. Für einen groben Überblick zähle ich mal die wichtigsten Punkte auf.

Das Konzept sollte auf folgende Fragen eine Antwort haben, ansonsten muss gar nicht mehr weitergemacht werden:

  • Wer ist der Nutzer?
  • Was braucht der Kunde wirklich?
  • Wie schaffen wir einen hohen Mehrwert?
  • Was müssen wir tun, damit die App auf dem Smartphone bleibt und nicht gelöscht wird?
  • Passt eine Native App auf Basis von Android oder iOS oder eine browsergestützte Applikation auf Basis von HTML5 besser zur Umsetzung der App?

Die Benutzeroberfläche sollte für den Nutzer der App einfach zu verstehen sein. Deshalb sollte die App am Anfang nur mit den nötigsten Funktionen gefüllt werden und nach und nach können weitere Funktionen hinzukommen. Prinzipiell ist es immer am besten, wenn Prototypen von den potenziellen Nutzern getestet werden. Somit kann, noch bevor die App programmiert ist, wertvolles Feedback in das Konzept oder Design einfließen. So manche Funktion wird vielleicht nicht benötigt und es muss eine neue Lösung gefunden werden, oder eine Funktion, die in einem kleinen Umfang eingebaut werden sollte, wird viel mehr gebraucht. Dieser Vorgang wird bei jeder Erweiterung wiederholt.

Bei der Programmierung ist es wichtig, dass die Entwickler das Konzept, alle Funktionen, die Layouts, den Prototyp usw. verstanden haben und genauso umsetzen.

Wenn die App in die Stores gesetzt werden kann, will man sie auch an den Mann bringen. Jedoch warne ich vor einem großen, koordinierten Launch mit Presse und Marketingkampagnen, da bei einer iOS-App der Prüfungsprozess von Apple hinzukommt und diese Prüfung kann bis zu zehn Werktage dauern. Hinzu kommt, dass Apple hohe Ansprüche an die App-Entwickler hat, wodurch Anpassungswünsche von Apple erst erfüllt werden müssen, bevor die App im Store landet.

Einen Plan für die Vermarktung der App sollte es natürlich auch geben. Es gibt ungefähr drei verschiedene Varianten. Einmal eine kostenfreie App, die meistens Werbung beinhaltet, oder eine kostenfreie App, in der bestimmte Funktionen hinzugekauft werden können, oder kostenpflichtige Apps, die vor dem Herunterladen bezahlt werden müssen.

Natürlich sollte man immer hinterher sein, das Feedback der User weiterzusammeln und die App weiterzuentwickeln. Die User stehen nicht still und somit sollte es die App ebenso nicht.

Redaktion: Wie kann man das Verhalten der User verstehen und messen?

S.R.: Mit den standardmäßigen Reportings von den Stores der einzelnen Anbieter können schon ein paar Analysen der User erstellt werden. Für individuelle Analysen muss ein Reporting in die App eingebaut werden, wodurch die Bewegungen der User auf der App sichtbar werden. Mit diesen Daten und weiteren Testings kann der User verstanden werden und es kann geprüft werden, ob Änderungen notwendig sind.

Vielen Dank für das Gespräch, Sarah.

Ingo Koehler von GroupJoyner hat eine ganz klare Vorstellung, wie eine App sein sollte, damit wir sie nutzen …

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